Galerie

Großer Ahornboden

Rotgoldne Blätterhände
schweben gleich fallenden Fächern
unter den Ahornbaum,
weben ein buntes Gebilde
in den Teppich aus Gräsern und Moos;
laden uns ein zum Wandern und Träumen…
ach, wie viel Schönheit und Lust
finden wir wieder im Herbst –
unter den Bäumen!

Ingrid Streicher

Waldanemonen

Sie sprießen licht aus Waldesnacht,
Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht,
Unter den großen, alten Bäumen,
Über das Moos wie flutend Träumen:
Wann der Wind vorüber streicht,
Neigen sie ihre Köpfchen leicht,
Aber wo die Sonne licht
Durch die Blätterkronen bricht,
Saugen sie all das goldige Scheinen
Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen.
So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht:
Die lichten Kinder der Waldesnacht.

Therese Dahn geb. von Droste-Hülshoff
(1845-1929, Nichte von Annette von Droste-Hülshoff)

Bild

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel (1813-1863)