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Luang Prabang – Almosengang der Mönche

Gibt es eigentlich Regeln für’s Fotografieren von Menschen? Auch ohne Hinweisplakate?
Nun, in Luang Prabang hängen unübersehbar alle paar Meter an Tempeln und Häusern diese Plakate, sogar in mehreren Sprachen.

Help us respect the alms giving ceremony!

Help us respect the alms giving ceremony!

Simple Regeln hängen in vielen Sprachen aus!

Simple Regeln hängen in vielen Sprachen aus!

Auch ohne diese Plakate gibt es für mich eine in fast allen Reiseführern beschriebene und auch ohne Reiseführer für mich selbstverständliche Regel, dass ich Menschen entweder mit einem gewissen Abstand fotografiere, z. B. auf Märkten, bei Veranstaltungen oder bei Straßenszenen, oder ich frage direkt, ob ich ein Foto machen darf. Sprachprobleme? Geht überall ganz gut mit Gesten und meistens bekomme ich ein freundliches Kopfnicken. Wenn ich einmal ein Kopfschütteln als Antwort bekomme, dann respektiere ich das auch und freue mich am Gesehenen und an der Erinnerung, ohne dass ich es digital mit nach Hause nehmen muss.
Was ich jedoch in Luang Prabang an einem frühen Morgen gesehen habe, hat mich wirklich schockiert. Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich mir den Almosengang der Mönche anschaue, da ich schon gehört hatte, dass es von Touristen nur so wimmelt und diese Zeremonie dadurch seine eigentliche Bedeutung verliert. Da wollte ich nicht wirklich Teil davon sein. Da ich nun aber schon vor Ort war,  hatte ich mich schließlich doch dafür entschieden – ich wollte es später nicht bereuen, nicht wenigstens einmal dabei gewesen zu sein.

Ganz früh, um 5:30 Uhr habe ich mich auf den Weg durch die verschlafenen  Gässchen gemacht und habe das unberührte Luang Prabang sehr genossen.

Moonshine um 5:30 Uhr morgens in Luang Prabang

Moonshine um 5:30 Uhr morgens in Luang Prabang

Die morgendliche Ruhe in der Altstadt, der Mond hängt noch als große Laterne am Himmel, hier fegt jemand die Straße, dort klappert jemand mit dem blechernen Kochgeschirr und dann die Sakkarine Road vor dem Tempel Vat Sene: … Massenauflauf!

Meine Bedenken haben sich leider wirklich alle bestätigt. Es gibt einen regelrechten „Almosengang-Tourismus“, wobei das nicht nur europäische, sondern – zumindest an diesem Morgen – jede Menge asiatischer Touristen mit einschließt. Diese Touristen werden in Bussen und mit Bambusmatten ausgestattet angekarrt, können von fliegenden Händlern, die ihr ganz eigenes Business entdeckt haben, noch Snacks oder Reis als Opfergabe kaufen, die sie dann an die Mönche verteilen können. Diese Touristen platzieren sich auf den Bambusmatten und haben so die beste Perspektive fürs beste Mönchsbild…

Es wird geplappert, geschnattert, gelacht, mit der Kamera oder den Handys oder dem I-Pad gefuchtelt und wegen des frühen Morgens und der entsprechenden Lichtverhältnisse natürlich auch geblitzt, was das Zeug hält.

Ich stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite, habe schweigend beobachtet, meinen Blitz selbstverständlich ausgestellt und es überfiel mich eine richtige Traurigkeit ob der Respektlosigkeit vor dieser religiösen Zeremonie.
Ich will niemanden verurteilen und auch selbst keine Regeln vorgeben, ich spreche lediglich für mich und finde es schade, dass hier so wenig Rücksicht und Respekt gelebt wird. Andererseits habe ich auch gehört, dass durch den extremen Tourismus in Luang Prabang immer mehr private Wohnhäuser Restaurants und Unterkünften weichen müssen, sodass tatsächlich wenige Einheimische übrig bleiben, die die Mönche beim morgendlichen Almosengang unterstützen. Auch ist die jüngere Generation mit ihren Berufen, hauptsächlich eben in dieser Tourismusbranche eingespannt und hat rein zeitlich keine Möglichkeit, das Essen für die Mönche am Morgen zuzubereiten. Andererseits habe ich auch von der anderen Straßenseite beobachtet, wie manche Opfergaben zwar von den Mönchen entgegengenommen werden, dann aber an einer Straßenecke dort wartenden Kindern wieder übergeben, also abgelehnt, werden. Nun, es ist wie es ist und ich kann, wie gesagt, nur für mich sprechen.
Ich wünsche mir für Luang Prabang, dass es seinen Ausgleich findet zwischen Tradition und Moderne, zwischen Religiosität und Spiritualität und der Vermarktung, zwischen der so sehr erhaltenswerten Kultur und dem Tourismus, sodass die Almosengänge noch lange erhalten bleiben, ohne dass es für die Mönche ein fotografischer Spießrutenlauf ist, wie wohl ein Mönch einmal – laut meinem Stefan Loose-Reiseführer – festgestellt hat: Monks and monkeys are not different! Bei beiden habe man den Drang, sie zu fotografieren.

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2 Gedanken zu “Luang Prabang – Almosengang der Mönche

  1. Liebe Heike,
    ich hab gerade mal hier ein bisschen geschnökert und bin auf diesen Blog-Eintrag gestoßen. Wir leben in Laos und erleben oft, dass Touristen von der Ruhe und Unberührtheit des Landes schwärmen und auch genau deshalb hier her kommen. Mich überfällt genau wie dich die Traurigkeit, wenn man dann Szenen wie du sie oben beschrieben hast erleben muss. Danke, dass du es einmal auf den Punkt gebracht hast und ich hoffe, die Leser nehmen sich ein Beispiel daran.
    Viele liebe Grüße aus Sayabouli,
    Anke

    • Sabaidee, liebe Anke,
      hab herzlichen Dank für dein Feedback zu meinen Gedanken. Ich glaube es ist immer eine Gratwanderung für jeden Touristen und damit schließe ich mich ein. Verhalten und Auftreten, Kleidung und Kommunikation – mit ganz viel Kleinigkeiten kann man ganz viel kaputt machen. Tourismus birgt immer Licht- und Schattenseiten.

      Habe ein bisschen auf eurem Blog gestöbert und finde ihn total spannend. Dank der Kinder ist der Kontakt zu den Einheimischen bestimmt um ein Vielfaches leichter. Ich wünsche euch ganz viel Freude, Erfahrungen, ein gutes Miteinander und hin und wieder werdet ihr wohl auch Durchhaltevermögen brauchen!

      Kennst du übrigens die Bücher von Colin Cotteril über den laotischen Pathologen Dr. Siri? Ich fand die Reihe total nett, da jedes Buch so viel über Laos offenbart, die Vergangenheit, die Probleme der Gegenwart, die Charaktere der Menschen etc. Und alles gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor!

      Alles Gute Euch und Grüße aus dem sommerlichen Süddeutschland,
      Heike

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